Relative Energy Deficiency in Sport, kurz REDs, entsteht, wenn dem Körper über längere Zeit zu wenig Energie zur Verfügung steht. Das bedeutet: Die Energie, die über Nahrung und Getränke aufgenommen wird, reicht nicht aus, um Training, Alltag, Regeneration und wichtige Körperfunktionen gleichzeitig zu versorgen. REDs betrifft nicht nur Leistungssportler:innen, sondern kann grundsätzlich alle treffen, die viel trainieren und dabei dauerhaft zu wenig Energie zuführen.
Ursprünglich wurde das Thema im Zusammenhang mit der Female Athlete Triad beschrieben, also dem Zusammenspiel von Essverhalten, Zyklusstörungen und Knochengesundheit. Heute wird REDs breiter verstanden, weil es nicht nur Frauen betrifft, sondern auch Männer und Jugendliche sowie grundsätzlich alle Athlet:innen, wenn dem Körper über längere Zeit zu wenig Energie zur Verfügung steht. Betroffen sein können dabei viele Bereiche, zum Beispiel Hormonhaushalt, Immunsystem, Knochen, Leistung, Verdauung und psychische Gesundheit.
Woran man REDs erkennen kann
Das Problem bei REDs ist: Die Anzeichen kommen oft langsam und werden leicht übersehen. Viele Sportler:innen denken zunächst an Stress, eine harte Trainingsphase oder einfach daran, dass sie gerade „nicht gut drauf“ sind. Typische Warnsignale sind anhaltende Müdigkeit, Leistungsabfall, häufige Infekte, längere Erholungszeiten, wiederkehrende Verletzungen oder Stressfrakturen, also feine Knochenrisse durch wiederholte Belastung.
Bei Frauen können auch Zyklusstörungen oder das Ausbleiben der Periode ein wichtiges Warnsignal sein. Bei Männern können zum Beispiel sinkende Libido, Erschöpfung oder ein allgemeiner Leistungsabfall auffallen. Häufig kommen auch Magen-Darm-Beschwerden, Frieren, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme oder Stimmungsschwankungen dazu.
Die psychologische Seite von REDs
REDs ist nicht nur ein körperliches Problem. Auch die psychologische Seite spielt eine wichtige Rolle. Besonders relevant können Perfektionismus, starker Leistungsdruck, Körperunzufriedenheit, Angst vor Gewichtszunahme, kontrolliertes Essen und zwanghaftes Training sein. Oft entsteht daraus ein Kreislauf: Wer sich unter Druck setzt, isst möglicherweise zu wenig oder trainiert zu viel. Der Körper reagiert mit Müdigkeit und Leistungseinbruch, was den Druck wiederum erhöhen kann, noch strenger zu essen oder noch mehr zu trainieren. So kann sich REDs selbst verstärken und über längere Zeit aufrechterhalten.
Was man selbst beobachten sollte
Ein erster Selbstcheck kann helfen, früh aufmerksam zu werden:
• Bin ich ungewöhnlich oft müde?
• Sinkt meine Leistung trotz Training?
• Werde ich häufiger krank?
• Brauche ich länger zur Erholung?
• Habe ich öfter kleine Verletzungen?
• Habe ich Magen-Darm-Beschwerden oder Verdauungsprobleme?
• Bin ich gereizt, niedergeschlagen oder mental erschöpft?
• Drehen sich meine Gedanken ständig um Essen, Gewicht oder Training?
• Bei Frauen: Hat sich mein Zyklus verändert oder bleibt er aus?
Wenn mehrere dieser Punkte über Wochen auftreten, sollte man das ernst nehmen.
Was dann sinnvoll ist
REDs ist kein Thema, das man einfach mit mehr Disziplin lösen sollte. Sinnvoll ist ein ganzheitlicher Blick: Ernährung, Training, medizinische Abklärung und bei Bedarf auch psychologische Unterstützung gehören zusammen. Je früher man reagiert, desto besser lassen sich langfristige Folgen vermeiden.
Ein wichtiger Punkt: Viele Ärzt:innen oder andere Fachpersonen kennen REDs im Alltag noch nicht gut. Deshalb ist es hilfreich, selbst darüber Bescheid zu wissen und das Thema im Erstgespräch offen anzusprechen.
Das Fazit
REDs ist ein ernstes, aber oft übersehenes Thema. Wer die Warnzeichen früh erkennt, kann rechtzeitig gegensteuern und Gesundheit sowie Leistung besser schützen. Wichtig
ist vor allem: Nicht nur auf Gewicht oder Kalorien schauen, sondern auf das gesamte Bild aus Energie, Erholung, Körper und Kopf.
Über die Autorin
In diesem Gastbeitrag beleuchtet Janina Fandel ein im Sport oft übersehenes, aber kritisches Thema: Relative Energy Deficiency in Sport (REDs). Sie zeigt praxisnah auf, woran man die schleichenden Warnsignale erkennt und warum es für langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit weit mehr braucht als nur eiserne Disziplin.

